Besuch Ludwig Hartmann Bündnis 90 / Grüne

Posted on by Stefanie Kuhnlein

Er will Mut machen. Mut zur Innovation und Investition in zukunftsfähige Technologien. „Ich bin gegen das Denken im alten Energiesystem“ unterstrich Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender des Bündnis 90 / Grüne im Bayerischen Landtag, bei seinem Besuch in Rugendorf. Dort informierte er sich über die Firma Münch Energie. Der Betrieb macht überregional Schlagzeilen und ist bekannt für besonders clevere, effiziente und zukunftsweisende Lösungen im Energiesektor, vornehmlich auf dem Gebiet der Photovoltaik.

Hartmann ließ keinen Zweifel daran, dass er der Stromerzeugung aus Wind und Sonne absolute Priorität einräumt. Diese sind nach seiner Einschätzung die deutlichen Gewinner bei den erneuerbaren Energien, da sie in unbegrenztem Umfang zur Verfügung stehen. Für Biomasse oder Wasserkraft gelte das nicht. „Deshalb müssen wir die Wind- und Solarkraft ausbauen“, lautete seine Forderung.

Hierbei stellte er dem Land Bayern ein Armutszeugnis aus. Nach der Aussage des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sollte der Freistaat Spitzenreiter werden. Aber schon zwei Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima sei man auf die Bremse getreten. In Bayern bekomme man heute kaum mehr eine Windkraftanlage genehmigt. Dies liege an der sogenannten 10 -H- Regelung, die vorschreibt, dass die Konverter einen Mindestabstand des Zehnfachen ihrer Höhe zu bebautem Gebiet einhalten müssen. Wegen dieser restriktiven Vorgaben seien im Freistaat im vergangenen Jahr gerade mal acht Anlagen genehmigt worden.

Hartmann möchte dies ändern, denn schon im vergangenen Jahr musste Bayern Strom von außerhalb zukaufen. Und der Bedarf wird nach seiner Prognose steigen. Hinzu kommt, dass viele herkömmliche Kraftwerke veraltet sind und abschalten müssen. Sie durch Anlagen alter Technologie (Gaskraftwerke etc.) zu ersetzen, hielt der Redner für unsinnig: „ Ich bin gegen die alte Denke. Wir müssen voran gehen mit unserem Energiemanagement. Stromgewinnung aus alternativen Quellen ist verlässlich, ausgereift, kostengünstig und bietet große Wettbewerbsvorteile.“

Wie der Redner unterstrich, gibt es keinen besseren Zeitpunkt als diesen, um in die neue Technologie zu investieren. Der Grund: Kredite sind auf dem Geldmarkt zu besonders günstigen Konditionen zu erhalten. Die Investition lohne sich in jedem Fall, zumal es um die Weichenstellung für künftige Generationen gehe. Da sich die Zeitfenster immer weiter schlössen, müsse man zügig anfangen. Denn der Kohlendioxid-Ausstoß werde zum größten Problem der Erde werden, und ein Anstieg von nur 0,5 Grad Durchschnittstemperatur darüber entscheiden, ob Menschen ihre Heimat verlören und es zu neuen Migrationswellen komme.

Das Energieaufkommen aus alternativen Ressourcen bezifferte Hartmann auf derzeit 45 Prozent. Ziel müsse es aber sein, 100 Prozent zu erreichen. Zudem brauche es eine intelligente Vernetzung, wofür auch die Firma Münch stehe.

Deren Eigentümer Mario Münch hatte zuvor seine Philosophie erläutert. Er wolle Verantwortung übernehmen und Antworten geben auf drängende Fragen. Seine Vision nannte er gleichzeitig auch Mission: Nachhaltige Energiekonzepte zu entwickeln. Münch zählte die Vorteile der Stromgewinnung aus Photovoltaik auf. Demnach könne man damit Strom zu sieben Cent je Kilowattstunde produzieren – im Gegensatz zum derzeitigen Marktpreis von 18 Cent. Die Heizkosten könne man auf ein Achtel des bisherigen Betrags reduzieren, Firmen könnten ihre Umsatzrendite um bis zu zwei Prozent steigern.

Der Unternehmer prognostizierte tiefgreifende Umbrüche für die Zukunft. Schon jetzt verkaufe Tesla in den USA mehr Autos als Mercedes und dränge BMW aus dem Markt. Auf dem Energiesektor wird es laut Münch weitreichende „disruptive Technologien“ geben (disruptive Technologien: Innovationen, die die Erfolgsserie eines bestehenden Produkts ersetzen oder es vom Markt verdrängen; Anmerkung der Redaktion).

Kurz ging der Unternehmer auf den von ihm geplanten Solarpark Grafendobrach ein, den der Stadtrat Kulmbach abgelehnt hatte. Man habe ihm vorgeworfen, „Klimaschutz mit monetärem Hintergrund“ zu betreiben. Er, Münch, beschäftige 115 Mitarbeiter, die mit ihrem Abeitsentgelt ihre Familien ernährten: „Wir gehören zu den 20 familienfreundlichsten Unternehmen Bayerns. Ökologie schließt Ökonomie nicht aus“.

Im Diskussionsteil hatte Jürgen Öhrlein angeregt, die Bayerische Bauordnung dahingehend zu ändern, dass künftig energieneutrale Häuser errichtet werden.

Ingrid Flieger, Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Kulmbach, regte an, den Klimaschutz als Pflichtaufgabe der Kommunen festzulegen. Weitere Wortbeiträge befassten sich mit der notwendigen Elektrifizierung oberfränkischer Bahnstrecken („Diesel-Loch“), mit der Geo-Thermie und mit der Speichertechnik für Gas.

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